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IT-Wissen – was ist die Godot-Engine?

by Daniel Rottländer
Erfahren Sie mehr über die Godot-Engine

Spieleentwicklung: Was sind die Godot Features?

Spieleentwicklung ist längst nicht mehr nur großen Studios vorbehalten. Kostenlose Entwicklungswerkzeuge machen es auch kleineren Teams, Lernenden und einzelnen Entwicklerinnen und Entwicklern möglich, eigene 2D- oder 3D-Projekte umzusetzen. Eine dieser Lösungen ist die Godot-Engine. Sie verbindet einen grafischen Editor mit Werkzeugen für Programmierung, Animation, Physik und den Export auf verschiedene Plattformen. Doch was genau steckt dahinter, wofür lässt sich Godot einsetzen und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Windows 11 und Microsoft Visual Studio?

Was ist die Godot-Engine?

Godot ist eine frei verfügbare Open-Source-Engine für die Entwicklung von 2D- und 3D-Spielen. Der Begriff „Engine“ bezeichnet dabei die technische Grundlage, auf der ein Spiel oder eine interaktive Anwendung aufgebaut wird. Sie müssen also nicht jede Funktion selbst von Grund auf programmieren. Godot bringt bereits einen Editor sowie Werkzeuge für Szenen, Grafiken, Animationen, Benutzeroberflächen, Audio, Physik und Programmcode mit.

Ein zentrales Konzept sind sogenannte Nodes, also einzelne Bausteine eines Projekts. Ein Node kann zum Beispiel eine Spielfigur, eine Kamera, eine Lichtquelle oder ein Bedienelement darstellen. Mehrere Nodes lassen sich zu Szenen zusammenfassen und wiederverwenden. Dadurch können auch größere Projekte übersichtlich strukturiert werden.

Godot wird unter der MIT-Lizenz veröffentlicht. Sie dürfen die Engine daher für private und kommerzielle Projekte einsetzen, verändern und weitergeben. Wenn Sie Godot beziehungsweise ein damit exportiertes Programm verteilen, müssen die vorgeschriebenen Copyright- und Lizenzhinweise der Engine erhalten bleiben. Die mit Godot erstellten eigenen Inhalte bleiben davon unabhängig und können unter einer eigenen Lizenz veröffentlicht werden.

Was können Sie mit Godot erstellen?

Mit der Godot-Engine können Sie weit mehr als einfache Lernspiele erstellen. Die Engine unterstützt klassische 2D-Projekte ebenso wie räumliche 3D-Welten und bringt dafür unterschiedliche Werkzeuge mit. In einem 2D-Spiel lassen sich zum Beispiel Figuren bewegen, Kollisionen berechnen, Karten aus einzelnen Kacheln aufbauen oder Menüs und Anzeigen gestalten. Für 3D-Projekte stehen unter anderem Kameras, Lichtquellen, Materialien, Animationen und Physikfunktionen zur Verfügung. Hinzu kommen Werkzeuge zum Testen und zur Fehlersuche, etwa ein Debugger und ein Profiler, der bei der Suche nach Leistungsproblemen hilft.

Godot eignet sich außerdem nicht ausschließlich für Spiele. Die offizielle Dokumentation nennt auch Anwendungen, die mit der Engine erstellt wurden, darunter das Pixel-Art-Programm Pixelorama und das Werkzeug RPG in a Box. Je nach Projekt können Sie Ergebnisse für Desktop-Systeme, mobile Geräte oder das Web ausgeben. Bei Konsolen ist der Weg aufwendiger, weil dort zusätzliche Vorgaben und meist externe Portierungslösungen eine Rolle spielen.

Godot unter Windows 11 nutzen

Wenn Sie mit Windows 11 arbeiten, können Sie Godot im normalen Entwicklungsalltag problemlos einsetzen. Auf der offiziellen Download-Seite stehen aktuelle Windows-Ausgaben für verschiedene Prozessorarchitekturen bereit, darunter x86_64 und ARM64. Zusätzlich gibt es eine eigene .NET-Ausgabe mit C#-Unterstützung. Die normale Godot-Ausgabe ist weitgehend eigenständig: Nach dem Entpacken kann der Editor direkt gestartet werden, ohne dass eine klassische Installation zwingend erforderlich ist. Für die Entwicklung von C#-Projekten mit der .NET-Ausgabe wird zusätzlich ein passendes .NET SDK benötigt. Die offiziellen Systemanforderungen nennen Windows 10 als Mindestversion für den nativen Editor und für Windows-Exporte. Auch auf aktuellen Windows-11-Systemen lässt sich Godot einsetzen.

Entscheidend ist eher, ob Prozessor und Grafikeinheit die benötigten Funktionen unterstützen. Für moderne 3D-Projekte spielt insbesondere die Unterstützung der verwendeten Grafik-Schnittstellen eine Rolle. Auch fertige Projekte können für Windows exportiert werden. Godot erstellt dabei eine ausführbare Windows-Datei zusammen mit den benötigten Projektdaten, sodass der Editor auf dem Zielrechner nicht mitgeliefert werden muss.

Wie wird in Godot programmiert?

Für die Spiellogik bietet Godot mehrere Wege. Besonders eng mit der Engine verbunden ist GDScript, eine speziell für Godot entwickelte Skriptsprache mit vergleichsweise kompakter Syntax. Die Godot-Dokumentation empfiehlt insbesondere Programmieranfängerinnen und -anfängern, mit GDScript zu beginnen, da die Sprache speziell für Godot entwickelt wurde und vergleichsweise leicht zu erlernen ist. Daneben unterstützt Godot C# über die .NET-Version der Engine. Das ist interessant, wenn Sie C# bereits aus anderen Projekten kennen oder mit Werkzeugen aus dem Microsoft-Umfeld arbeiten möchten. Für native beziehungsweise besonders leistungsnahe Erweiterungen lässt sich außerdem GDExtension nutzen; mit godot-cpp stellt das Godot-Projekt dafür offizielle C++-Bindings bereit.

Zu beachten ist, dass die Zielplattformen bei C# eingeschränkter sind als bei GDScript: C#-Projekte mit Godot 4 können derzeit nicht für das Web exportiert werden. Die Unterstützung für Android und iOS ist vorhanden, wird in der offiziellen Dokumentation jedoch weiterhin als experimentell bezeichnet.

Unabhängig von der gewählten Sprache bleibt das Grundprinzip ähnlich: Sie erstellen Szenen und Objekte im Godot-Editor und ergänzen deren Verhalten durch Programmcode. So können Sie etwa festlegen, wie sich eine Figur bewegt, was bei einer Kollision passiert oder wie ein Menü reagiert. Für technisch weniger erfahrene Nutzer ist hilfreich, dass viele Einstellungen direkt über die Oberfläche vorgenommen werden können und nicht jede Änderung Programmcode erfordert.

Wie können Godot und Microsoft Visual Studio gemeinsam genutzt werden?

Godot und Microsoft Visual Studio können besonders sinnvoll zusammenspielen, wenn Sie Ihr Projekt in C# entwickeln. Dafür benötigen Sie die .NET-Ausgabe von Godot und eine passende .NET-Entwicklungsumgebung. Die offizielle Godot-Dokumentation führt Visual Studio 2022 ausdrücklich als unterstützten externen Editor unter Windows auf. Bei der Installation von Visual Studio soll die Arbeitsauslastung „.NET-Desktopentwicklung“ ausgewählt werden. Anschließend können Sie in Godot unter „Editor > Editor Settings“ zum Bereich „Dotnet“ wechseln und Visual Studio als externen Editor festlegen. Sobald Sie in einem Godot-Projekt das erste C#-Skript anlegen, erzeugt Godot die zugehörigen C#-Projektdateien, darunter eine Solution-Datei mit der Endung .sln und eine .csproj-Datei. Diese Struktur kann Visual Studio öffnen und unter anderem für Autovervollständigung, Navigation im Code und die Analyse von Fehlern verwenden. Soll das laufende Godot-Projekt direkt aus Visual Studio heraus debuggt werden, ist dafür zusätzlich ein entsprechendes Start- beziehungsweise Debug-Profil einzurichten.

Der praktische Arbeitsablauf teilt sich damit auf: Szenen, Nodes, Animationen und viele Eigenschaften bearbeiten Sie in Godot, während Sie umfangreicheren C#-Code komfortabel in Visual Studio schreiben. Nach Codeänderungen muss das C#-Projekt neu gebaut werden, wenn Godot beispielsweise neue exportierte Eigenschaften oder Signale erkennen soll. Visual Studio ersetzt den Godot-Editor also nicht, sondern ergänzt ihn als spezialisierte Entwicklungsumgebung für den Programmcode.

Welche bekannten Spiele wurden mit Godot entwickelt?

Dass Godot nicht nur für kleine Experimente gedacht ist, zeigen zahlreiche veröffentlichte Spiele. Auf der offiziellen Godot-Showcase-Seite finden sich Projekte aus sehr unterschiedlichen Genres. Dazu gehört „Cassette Beasts“, ein rundenbasiertes Rollenspiel mit offener Spielwelt und einem System zum Sammeln und Kombinieren von Kreaturen. „Dome Keeper“ verbindet Bergbau, Ressourcenmanagement und die Verteidigung einer Kuppel gegen Angriffswellen. „Brotato“ setzt auf kurze, schnelle Survival-Runden mit vielen Waffen und Gegenständen. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist „Buckshot Roulette“, das mit einer stark reduzierten Spielidee, kurzer Spieldauer und markanter Atmosphäre ein großes Publikum erreicht hat. Diese Beispiele zeigen, dass sich mit Godot sowohl 2D- als auch 3D-orientierte Konzepte und sehr verschiedene Spielmechaniken umsetzen lassen.

Gleichzeitig sollte man daraus nicht schließen, dass die Engine automatisch den Erfolg eines Projekts bestimmt. Spielidee, Gestaltung, Programmierung, Tests, Plattformanpassungen und Veröffentlichung bleiben eigenständige Aufgaben, die unabhängig vom verwendeten Werkzeug sorgfältige Arbeit erfordern.

Für wen eignet sich die Godot-Engine?

Godot ist damit vor allem eine vielseitige technische Arbeitsumgebung, die viele Schritte der Spieleentwicklung an einem Ort bündelt. Für Einsteiger ist der grafische Editor hilfreich, weil sich Szenen, Objekte und zahlreiche Eigenschaften sichtbar anordnen lassen. Fortgeschrittene Entwickler können mit GDScript oder C# tiefer in die Programmierung einsteigen und Godot über GDExtension beziehungsweise C++-Bindings zusätzlich um native Funktionen erweitern. Unter Windows 11 lässt sich Godot ohne ungewöhnliche Zusatzkonstruktionen verwenden, und für C#-Projekte kann Microsoft Visual Studio einen wichtigen Teil des Workflows übernehmen.

Sinnvoll ist die Trennung der Aufgaben: Godot bleibt die zentrale Umgebung für Szenen, Ressourcen, Animationen, Tests und Exporte, während Visual Studio den C#-Quellcode komfortabler bearbeitbar macht.

Wer Godot kennenlernen möchte, kann daher mit einem kleinen 2D-Projekt beginnen und zunächst die Grundbegriffe Nodes, Szenen und Skripte verstehen. Danach lässt sich recht schnell beurteilen, ob die Arbeitsweise zum eigenen Projekt, zu den vorhandenen Programmierkenntnissen und zur gewünschten Zielplattform passt.

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